So spaltet BIM die Geister

Es besteht kein Zweifel daran, dass BIM für Unternehmen, die Bau- und Immobilienprojekte durchführen, eine Schlüsselrolle spielt.

Denn der digitale Wandel wird von diesen Unternehmen als Chance gesehen, immer wieder auftretende Probleme wie Budgetüberschreitungen, Projektverzögerungen und Qualitätskontrollprobleme zu bewältigen.

Ein Bericht von Zion Market Research prognostizierte einen BIM-Marktwert von $10,36 Milliarden bis 2022, gegenüber $3,52 Milliarden im Jahr 2016.

Regierungen haben den Einsatz von BIM bereits bei Infrastrukturprojekten in ganz Europa und darüber hinaus angeordnet. Dadurch soll die Umsetzung großer Bauprojekte optimiert und die Produktivität in der Bauwirtschaft gesteigert werden.

Dass BIM einen immer stärkeren Stellenwert erhält, zeigt sich auch in den aktuellen Stellenbezeichnungen: BIM-Manager, BIM-Koordinator und BIM-Spezialist.

Doch trotz all der Aufmerksamkeit, die BIM entgegengebracht wird: Viele glauben noch immer, BIM bedeute lediglich „3D-Modellierung“. BIM sei nur etwas für Experten und könne lediglich von einem Bruchteil der Teams in einem Bauprojekt genutzt werden.

Das stimmt nicht. Blickt man auf all die Vorteile, die sich beim Einsatz von BIM in Bauvorhaben erzielen lassen, stellt sich also die Frage: Wieso dieser Widerspruch?

BIM wird unterbewertet bzw. unzureichend genutzt

Eine Herausforderung für BIM ist die der vielen Mythen, die es umgibt. Diese Mythen halten Projektbeteiligte und in das Bauprojekt eingebundene Teams davon ab, BIM anzunehmen.

Wie bereits erwähnt, wird BIM immer noch als reine „3D-Modellierung“ betrachtet, die hauptsächlich von Planungs- und Bauteams verwendet wird. Allerdings ist das moderne BIM viel mehr als das! Es bildet einen wichtigen Teil einer gemeinsamen Datenumgebung (CDE) – nämlich die Erfassung, Speicherung und Verteilung wichtiger Informationen über ein Asset hinweg.

Eine „Connected BIM”-Lösung verbindet Daten und Dokumente. Dies ermöglicht, die Entwicklung von Objekten im Modell verfolgen zu können; ähnlich eines Protokolls.

Auch die ausgeschriebene Form des Begriffs BIM ist verwirrend: Die einen sagen, das „M“ stehe für „Modellierung“, die anderen, es stehe für „Management“. Stellt sich also die Frage, ob BIM unter einer Identitätskrise leidet?

Wahrscheinlich nicht. Es liegt vielmehr daran, wie sich die Methodik über die Zeit entwickelt hat und dass sie mittlerweile immer häufiger zum Einsatz kommt als früher.

Zudem steht BIM vor genau denselben Herausforderungen, denen sich auch Softwarelösungen gegenübersehen:

  • Verminderte Produktivität, da die Beteiligten erst geschult werden müssen
  • Zusatzkosten für das Unternehmen
  • Heute aktuell, morgen obsolet

Tatsächlich müssen Schulungen abgehalten und Daten aus verschiedenen Systemen zusammengeführt werden. Das kann etwas Zeit in Anspruch nehmen. Es wird auch zusätzliche Ausgaben geben, um die neue Software nutzen zu können.

Aber: Diese Investitionen müssen über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. Die Zeit- und Kostenersparnisse sowie zahlreiche weitere Vorteile, die der Einsatz dieser Lösungen mit sich bringen, überwiegen den anfänglichen Aufwand und anfallende Kosten bei weitem.

Im Fall von BIM sollten die erfassten Daten für mehrere Zwecke genutzt werden können: Zum einen als Informationsquelle für Clash-Detection sowie die Übergabe eines Assets. Zum anderen sollte mit den Daten eine Informationsgrundlage geschaffen werden, die für die Planung oder Vorbereitung zukünftiger Bauprojekte genutzt werden kann.

Der Vorwurf der Unbrauchbarkeit von BIM wird von mehreren Seiten negiert – sowohl von der positiven Entwicklung, die BIM zwischenzeitlich durchgemacht hat, als auch von der Tatsache, dass BIM weltweit von Regierungen und zunehmend auch von Betreibern/Auftraggebern als Lösung gewählt wird. Es gibt keinen Zweifel daran: BIM ist da und wird auch bleiben.

Eine weitere Kritik an BIM ist, dass es nur für den Einsatz in großen Projekten und großen Unternehmen konzipiert ist. Aber ebenso wie sich die Methodik weiterentwickelt hat, haben sich auch die Funktionalitäten entwickelt. Beim modernen BIM geht es um Zugänglichkeit, Erweiterbarkeit und Zusammenarbeit.

Eine „Connected BIM”-Lösung sollte beim Management aller Informationen eines Bauprojekts unterstützen. Sie muss von Teams über das gesamte Bauprojekt hinweg genutzt werden können, egal wie groß oder klein diese sind. Sie muss mit den unterschiedlichsten Datenquellen, Dateiformaten, Standards (IFC, BCF, COBie) und von den Unternehmen eingesetzten Tools arbeiten können.

Sie sollte ebenso von verschiedensten Geräten aus zugänglich sein, egal ob man sich im Büro oder auf der Baustelle befindet.

Wie fördern wir die aktive Nutzung von BIM?

Insgesamt bedarf es einer besseren Aufklärung rund um das Thema BIM und seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Je mehr digitale Kenntnisse in den Markt gelangen und je mehr das Vertrauen in Technologie wächst, desto besser wird dies funktionieren.

Nichtsdestotrotz liegt auf BIM-Lösungen die Last, sich selbst ständig weiter entwickeln zu müssen, um mit den Anforderungen Schritt halten zu können.

Um bei Nutzern Vertrauen zu schaffen, müssen moderne BIM-Lösungen sowohl Sicherheit und Zertifizierungen (FedRAMP etc.) als auch eine Wiederherstellung der Daten im Notfall gewährleisten. Sie müssen nicht nur schnell und zuverlässig sein, sondern auch in andere technische Unternehmenslösungen integriert werden können – unabhängig davon, wo sie eingesetzt werden.

Zur besseren Übersicht und Kontrolle sollten Berichte und Dashboards bereitgestellt werden. Die BIM-Lösung muss für alle Teams im Bauprojekt unabhängig von deren Größe relevant sein – zur Bereitstellung von Daten, Dokumenten und Messdaten sowie der Verortung jeden Objekts innerhalb eines Modells, egal ob es sich um Fenster, Verkleidungen oder einen Feuerlöscher handelt.

Am Wichtigsten ist aber wahrscheinlich die einfache und intuitive Nutzung. Man sollte kein Experte sein müssen, um von der BIM-Lösung das zu bekommen, was man benötigt.

Werden all die genannten Eigenschaften tatsächlich umgesetzt, wird dies den Einsatz von BIM in der gesamten Branche begünstigen.

Erfahren Sie mehr zu BIM.

Rob Phillpot

Rob Phillpot

Rob Phillpot ist VP Product Strategy bei Oracle's Aconex
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