Was bedeutet „Construction 4.0“ und sind wir bereit dafür?

Vor Kurzem interviewte ich Leigh Jasper, Gründer und CEO von Oracle + Aconex, für das Construction Global Magazine.

Dabei kam unser Gespräch auf das Thema „Construction 4.0“ und dies brachte mich auf einen Gedanken: Sind Unternehmen, die Bau- und Immobilienprojekte durchführen, bereit für diese neue Entwicklungsstufe? Oder müssen sie erst einmal gleichziehen mit dem aktuellen Stand der zur Verfügung stehenden Technologien?

Es wird immer wieder darauf hingewiesen, wie langsam die Digitalisierung bei Bauprojekten voranschreitet. Doch das überrascht mich! Denn was ich seit meiner Rückkehr in die Branche sehe, sind innovative Unternehmen, die sich der Digitalisierung geöffnet haben.

Der digitale Wandel ist bei diesen Unternehmen natürlich jeweils verschieden weit fortgeschritten. Manche widmen sich voll und ganz der Innovation, andere wählen einen vorsichtigeren Ansatz. Sehr große und komplexe Unternehmen haben eventuell Schwierigkeiten mit der Agilität, die solche Änderungen erfordern. Und manch kleinere Unternehmen können jederzeit flexibel handeln.

Mit Blick auf den Einsatz neuer Technologien stehen Unternehmen, die Bauvorhaben planen und durchführen, im Vergleich zu denen anderer Bereiche vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Die technologische Entwicklung schreitet so schnell voran, dass oftmals schon über neue Werkzeuge und Methoden gesprochen wird, bevor der Markt überhaupt bereit für diese ist. Ist das bei „Construction 4.0“ auch der Fall?

Was bedeutet „Construction 4.0“?

Im Grunde genommen ist „Construction 4.0“ die für Bau- und Immobilienprojekte verwendete Variante des Begriffs „Industrie 4.0“ – ein Schritt hin zur verstärkten Digitalisierung. Dabei geht es um Dinge, die früher lediglich Science-Fiction waren: Vorfertigung, Automatisierung, 3D-Druck, virtuelle Realität, Drohnen, Sensoren, Robotereinsatz für sich wiederholende oder gefährliche Prozesse, und Daten – viele, viele Daten – die dazu genutzt werden, sich selbst besser zu verstehen und künftige Entscheidungen besser treffen zu können.

Eine wirklich aufregende Zeit! Aber: im Gegensatz zu anderen Bereichen, wie beispielsweise der Fertigung, sieht sich die Bauindustrie von genau den Dingen herausgefordert, für die sie so oft gepriesen wird: den Kundenwünschen angepasste Projekte und individuelle Designs. Es werden eben nicht ein und dieselben Nägel oder Schrauben wieder und wieder produziert.

Viele Bauten sind einzigartig, viele Projekte maßgeschneidert. Wenn wir also bei Bauvorhaben die Vorteile der Vorfertigung, Automation, Roboter und bis zu einem gewissen Maß auch des 3D-Drucks erleben möchten, müssen sich wiederholende Prozesse gefunden werden.

Sind wir schon soweit?

Es geht definitiv in die richtige Richtung! Beispielsweise lassen sich Fortschritte bei der Digitalisierung von Lieferketten und zugehöriger Prozesse, wie Arbeitsabläufen (Workflows) und Abnahmen, erkennen.

Was ebenfalls auffällt, sind die digitalen Kenntnisse, die bei Bauprojekten immer häufiger gefragt sind. Neue Berufsbezeichnungen wie „Innovationsleiter/in“ oder „Leiter/in Digitalisierung“ zeigen, wie stark der Fokus auf dem digitalen Wandel liegt. Diese Funktionen werden die Zukunft der Digitalisierung in der Bauindustrie mitgestalten. Die mitgebrachten Fähigkeiten werden dazu führen, dass die Personen auf diesen Positionen auf „Entscheidungsebene“ besser anerkannt und stärker wertgeschätzt werden.

Immer mehr Unternehmen sehen die Vorteile, die der Einsatz neuer Technologien bringt: Zum einen im Hinblick auf die verringerte Materialverschwendung und reduzierte Doppelarbeiten. Zum anderen hinsichtlich der verbesserten Kontrolle der Qualität, der Zeit und des Projektbudgets. Ihnen wird klar, wie der technologische Wandel sowohl die Bilanz als auch das Ansehen des Unternehmens beeinflusst. Dies sind beides entscheidende Faktoren für den Erfolg in einem solch wettbewerbsorientierten Markt mit solch engen Gewinnspannen.

Cybersicherheit in Bauprojekten

Einen weiteren Punkt, den Leigh in unserem Interview ansprach, war die dringende Notwendigkeit von Cybersicherheit! Da die Industrie immer vernetzter wird, muss die Sicherheit der Daten oberste Priorität haben.

Wenn man sich Bauprojekte einmal genauer anschaut, so finden sich hier zahlreiche Teams: aus großen, weltweit agierenden Firmen bis hin zu kleinen Zweimannbetrieben. Diese Verschiedenheiten lassen die Sicherung von Daten in einem Projekt zu einer Herausforderung werden.

Deshalb ist es so wichtig, eine gemeinsame Datenumgebung zu haben. Hier können Informationen gespeichert, geteilt und gemeinsam bearbeitet werden – von allen Teams innerhalb des Projekts.

Cyberattacken kommen leider immer häufiger vor. Blickt man nun auf sensible bzw. kritische Infrastrukturprojekte wie Atomkraft, Notfalldienste oder Regierungsgebäude, dann wird deutlich, warum es so wichtig ist, Daten und Projektinformationen verschlossen zu halten und nur denjenigen zugänglich zu machen, die sie benötigen.

Ist „Construction 4.0” unumgänglich für Unternehmen, die Bau- und Immobilienprojekte durchführen? ?

Absolut – sofern man im Geschäft bleiben möchte! Bei der Digitalisierung geht es darum, Klarheit über den Geschäftsbetrieb zu haben, so dass jederzeit erkannt werden kann, ob ein Projekt das Budget überschreitet oder eine verspätete Fertigstellung droht. Da die Gewinnspannen in der Baubranche weiter niedrig sind und der Wettbewerb zunimmt, ist es überlebenswichtig, die notwendigen Schritte hin zu einer Produktivitäts- und Profitabilitätssteigerung zu gehen.

Erfahren Sie, wie sich für Bauvorhaben technisch versierte Arbeitskräfte aufbauen lassen.

Auch interessant: Der Bericht des Global Industry Councils „Fünf Wege, die Digitalisierung in der Baubranche zu verwirklichen“.

Andy Sommer

Andy Sommer

Senior Manager, Communications bei Oracle
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